werner-maria klein
Der Künstler Wolfgang Marx
„Die Kunst kann nicht an der Kunstgeschichte, also an der Bildgeschichte des einstigen Despotengeschmackes gemessen werden. Ich plädiere zeitgleich für eine größere Hochachtung vor der Kunst, die sich in der Freiheit des Künstlers manifestieren sollte.“

Francisco José de Goya y Lucientes

Die dargestellten Arbeiten des Künstlers sind kein bloßes Abbild mehr, da im Selbstverständnis der Kunst der Anspruch erhoben und formuliert, ein dem Vorbild ebenbürtiges Wesen zu sein. Die Arbeiten werden nach eigenen Gesetzen aufgebaut und somit entzieht sich das Dargestellte dem Vergleich mit dem Vorbild. Die Abgebildete gegenständliche Realität wird durch die Bildrealität erweitert und bis ans Ende gedacht, durch diese in weiterer Folge ersetzt.
Aus dem vorbildgerechten Abbild wird nun ein bildgerechtes Abbild. Die innovative Weiterführung im 20. Jh. versteht sich nun als Dialektik der Moderne und öffnet den Blick auf unsere Gegenwart, abseits der Inszenierung des Fensterblickbildes.
Malerei und Farbe sind jedoch in der Tat nicht verschwunden – haben aber ihre „geschichtsmächtige“ Funktion aus gut argumentierbaren Gründen (…) verloren – sind nun Teil der Freiheit der Kunst!

Alle „Bildelemente“ die sich nun im Dienste des Abbildes zu einer Gesamtheit organisieren, folgen einer natur-wissenschaftlich-mathematischen Belegbarkeit, die sich an der gegenständlichen Welt erprobt und sich dadurch wiederum zu einer funktionellen Einheit konstituieren. Dieses wesensimmanente Vorgehen im Werk von Wolfgang Marx eröffnet Abseits der Malerei einen immerzu aktuellen Diskurs über Wahrnehmung und Ästhetik und erleichtert darüber hinaus auch dem interessierten Laien die Kunst als Ideengeber zu begreifen.

Die überaus genaue Befasstheit des Künstlers mit perspektivischen Wirkungen in seinen Flächenarbeiten, als neuen Weg, emanzipiert vom „Altmeisterlichen“ Abbild und bloßer Augentäuschung, findet ihre Entsprechung in der Realität des Gesehenen und kann nun verifizierbare, also jeweils neue Elemente ins Zentrum der Betrachtung führen, auch wenn dies den Gesetzen der Malerei folgend ganz auf der Leinwand als Informationsträger stattfindet.

Das historische „Abbild“ ist somit nicht zur Gänze verschwunden (Beispiel: Wolfgang Marx und das Werkstättenbild von Jan Vermeer van Delft), da der Gegenstand weiterhin an seiner körperlichen Erscheinung gemessen wird, jedoch wird die abgebildete Realität durch die Bildrealität des Künstlers Wolfgang Marx ersetzt, die der Abbildfunktion enthoben, obwohl der Gegenstand im Mittelpunkt bleibt.
Die Flächenarbeiten zeigen jedoch in der dabei auch vollzogenen Objektwerdung, also das bloße Abbild überwindend, nur mehr sich selbst – sind nicht fremdrepräsentativ – substituieren nicht – sind in der neu entstandenen Originalität, die auch Farbe als Form und Gegenstand versteht, nur sich selbst darstellend und eröffnen dadurch Einblicke in die Genese der überaus virtuos vorgetragenen Malerei, des Künstlers Wolfgang Marx.
„Das Tafel-Bild“, nun längst von der Last entbunden geschichtsmächtige literarische Abbildungen ikonenähnlich transportieren zu müssen (Die Kunst kann nicht an der Kunstgeschichte gemessen werden!), entzieht sich dadurch auch jeglicher zeitlichen Verortung und der Vereinnahmung simplifizierender „Ismen“, also einem stereotyp politisch sanktionierten „pseudowissenschaftlichen“ Konsens-„Wissen“.

Auch wenn alle historische Forschung stillschweigend voraussetzt, dass eine Auswahl, aus der Unendlichkeit menschlicher Aktivitäten in der Vergangenheit getroffen wird, gibt es kein allgemeinverbindliches Kriterium, wie diese Auswahl erfolgen soll, so spielt die Freiheit der Kunst und das Interesse (lat. inter „zwischen, inmitten“ und esse „sein“ - teilnehmen an) des Künstlers, frei von wissenschaftlichen und dadurch auch frei von politisch sanktionierten Zwängen, eine wesentliche Rolle bei der Definition unserer Gegenwart – ergo gebiert der Künstler im geschützten Raum sinnstiftende Sprache, die sich von der bloßen Abbildebene emanzipiert, denn der Anfang war im Wort.

So erfüllt die Malerei in unserer Gegenwart, als „langsames Medium“ in ihrer Materialität und in ihrer nur scheinbaren Rückwärtsgewandtheit der Ästhetik, die im wahrsten Sinne des Wortes notwenige Aufgabe, die irreführende und gleichsam inflationär – emotionalisierende elektronische Bilderflut (Bilder werden in einer unwiderstehlichen Reizüberflutung Schüsse ins Hirn), die keine Sinnstiftung ermöglicht, zu hinterfragen und dabei die westliche „Kulturindustrie des Vergessens“ zur Debatte zu stellen.

Da die Kunst in ihrer Freiheit auch wahrhaftig sein kann und darf, ermöglicht sie uns ein wichtiges Feld der Besinnung und Selbstkontrolle bezüglich der eigenen Motive (…).

Das Ziel ist immerzu die Kunst, die trotz der unvermeidlichen Dissonanzen zur Erfahrungswelt und zum Gedanken – nicht falsch verstanden werden kann, da die Kunst der europäischen Moderne sich jeglicher räumlicher und ideologischer Zwänge entzieht, ist sie auch eine objektivierbare und gleichsam reflektierende Größe, die als ein Kontinuum im Werk von Wolfgang Marx im wahrsten Sinne des Wortes sichtbar wird.